Sich mit dem anziehen, was da war

In meinem Dorf gab es eine Frau, die mit einem Rock aus Jute herumlief, auf dem „Raffinierter Zucker“ stand.
Heute würden wir denken, sie sei verrückt, aber in den 1950er Jahren, in Lodè, ist das wirklich passiert, und mein Großvater erinnert sich gut daran. Er hat nie gedacht, dass sie verrückt war.

Vielleicht gab es ein paar ironische Kommentare, aber der Grund war kein Geheimnis. Im Dorf wusste man: Kleidung wurde aus dem gemacht, was vorhanden war. Diese Frau hatte nur einen leeren Zuckersack zu Hause und machte daraus einen Rock.

Die Menschen taten das ständig. Zum Beispiel fertigten sie Holzschuhe aus Holzstücken an, auch wenn sie an den Füßen weh taten, weil es immer noch besser war, als barfuß zu laufen. Und zu Hause wurden die Kleider von einem Kind an das nächste weitergegeben. Die Ärmel wurden gekürzt, dann wieder verlängert, und dann noch einmal gekürzt.

Von Zeit zu Zeit kam ein Mann auf den Dorfplatz und brachte Säcke mit alten Lumpen, und die Leute liefen zusammen, um so viel wie möglich davon zu bekommen, um daraus Kleidung zu machen.

So hat Tzia Adelina, eine neunzigjährige Schneiderin aus Lodè, das Nähen gelernt. Sie ging dorthin, wenn die Lumpen ankamen, und schon dort begann der kreative Prozess: Was könnte aus diesem alten Stoffstück werden? Ein Hemd, eine Unterhose, Socken?, fragte sie sich.

Ein Sack konnte zu einem Rock werden, ein Stück Holz zu einem Paar Holzschuhe: ein Stück Holz ansehen und darin einen Tisch sehen, altes, hartes Brot ansehen und es nicht wegwerfen, sondern daraus eine Suppe machen. Wie die Zuppa gallurese, früher aus Brotresten gemacht, heute auf Gourmet-Speisekarten zu finden.

Heute kann eine Tasche, die einen Müllsack imitiert, fast 1800 Dollar kosten, wie im Fall der „Trash Bag“, die 2022 von Balenciaga herausgebracht wurde.

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